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Hat man zu Hause erst mal einen ganzen Haufen smarter Geräte verbaut, und das nicht nur von einem Hersteller, sondern von verschiedenen, dann möchte man über kurz oder lang diese Geräte auch zentral steuern können. Natürlich kann man das auch, in dem man die Gateways der Hersteller (die zentralen Einheiten von Philips Hue, Ikea Tradfri, Osram Lightify, Homematic, diverse ZWave Hersteller, etc…) autark jedes für sich nutzt, allerdings ist man dann leider immer auf das jeweilige Ökosystem des spezifischen Herstellers beschränkt. Man kann also Geräte des einen Herstellers nicht mit Geräten des anderen Herstellers verknüpfen, oder nur mit Einschränkung. So lässt sich dann z.B. mit einem ZWave Bewegungsmelder nicht die smarte Steckdose von Homematic einschalten, da Homematic z.B. kein ZWave Protokoll unterstützt. Andersherum natürlich genauso. Ein Homematic Bewegungsmelder kann keine ZWave Steckdose oder ZWave Lampe steuern.

Man benötigt also ein System, welches alle diese smarten Dinge unter einem Dach vereint. Neben käuflich zu erwerbenden Komplettsystemen – es gibt auch Abo-Varianten, von denen ich persönlich gar nichts halte (ich mag Softwareabos nicht) – gibt es auch sehr gute kostenlose Open Source Lösungen. (Die man natürlich auch durch eine Spende unterstützen bzw. sich auch selbst an der Weiterentwicklung beteiligen kann).

Die Lösung openHAB2

Hier kommt nun openHAB ins Spiel. OpenHAB ist in Java entwickelt und kann Produkte verschiedener Anbieter unter einem Dach vereinen. Dabei spielt es keine Rolle, welches Protokoll der Anbieter hier verwendet. Sofern es für dieses Protokoll ein openHAB Binding gibt, kann man dieses in openHAB einbinden und verwenden. In openHAB selbst gibt es zwischen den Geräten keine Unterschiede mehr. Egal welches Protokoll dahinter steht, eine schaltbare Steckdose bleibt eine schaltbare Steckdose, ob es sich nun um eine Osram Lightify Steckdose handelt, oder eine von Homematic. Völlig egal!

Einfache Installation

openHAB ist sehr schnell installiert und betriebsbereit. Auf der Webseite von openHAB ist erklärt, wie man eine Installation durchführt. Am einfachsten und schnellsten geht es z.B. mit der Installation eines fertigen Images für den Raspberry PI. Das System nennt sich openHABian und bringt noch eine Menge zusätzlicher Konfigurationstools mit (openhabian-config). Prinzipiell muss nur das Image heruntergeladen werden, auf eine SD Karte überspielt werden, damit den Raspberry PI starten und bis zu ca. 15 Minuten warten, bis das System sich selbst komplett installiert hat. Danach kann man über den Browser auf http://<ip-adresse oder name>:8080 browsen und mit dem eigenem Setup beginnen.

PaperUI – Konfigurieren über das Webfrontend

OpenHAB2 bietet die Möglichkeit, nahezu die gesamte Konfiguration über die Webseite zu machen. Hat man sich allerdings ein wenig eingearbeitet, wird man sehr schnell feststellen, dass man auf die Arbeit mit den Textfiles (wie aus openHAB1 bekannt) nicht ganz verzichten kann. Das ist aber auch gut so, so wird einem die Wahl gelassen.

Über das Webfrontend lassen sich bequem die Bindings installieren, die man benötigt. Diese lassen sich hier auch sehr gut konfigurieren.

Ist das Binding installiert und die erforderlichen Dinge konfiguriert, dann wird im Hintergrund automatisch ein Discovery (Geräte suchen) Prozess gestartet. Gefundene Geräte zu dem Binding, auch Things genannt, landen dann im Posteingang. Sollte mal nichts gefunden werden, dann muss man nur das “Plus”-Symbol drücken und das Binding auswählen. Bei Homematic ist das glaube so. Dann sollte auch etwas gefunden werden.

 

Möchte man nun ein bestimmtes Thing hinzufügen, dann klickt man einfach auf das Runde Symbol. Von nun an findet man das Gerät unter Configuration->Things. Hier lassen sich nun aus den Kanälen der “Things” Items erzeugen.

Über das Stiftsymbol gelangt man in den Bearbeitungsmodus des “Things” selbst. Klickt man das Gerät an gelangt man in die Kanalübersicht. Hier lassen sich nun über das Webfrontent “Items” erzeugen, indem man den runden Kreis vor dem jeweiligen Kanal auswählt.

Klickt man auf den kleinen blauen Kreis vor dem jeweiligen Kanal, öffnet sich ein kleiner Dialog. Dort wählt man “Create new item…” aus und gelangt in folgendes Bild. Hier kann nun ein Link, also eine Verbindung zwischen dem Kanal des “Things” und einem “Item”, erzeugt werden. Der kleine ausgefüllte Kreis vor dem Kanal bedeutet, dass es hierfür bereits eins oder mehrere Items gibt.

Ist dem “Thing” in seinen eigenen Einstellungen ein Standort zugewiesen worden (siehe oben in der Thing-Übersicht das Stiftsymbol, oder innerhalb des Things das Stiftsymbol oben), dann kann man nun im PaperUI unter “Control” das Item testen.

Hier hat also der Rauchmelder noch keinen Rauch erkannt. Zum Glück! 🙂 Die Items lassen sich jetzt in Sitemaps oder im HABPanel zur Visualisierung verwenden.

Ausblick

Ich persönlich bevorzuge die Definition der Items per Textfiles. Warum? Weil ich so einge genaue Übersicht der Items habe. Ich kann mir schnell ein genaues Bild davon machen, welche Items angelegt sind, kann diese mit Kommentaren versehen, usw. Über das Webfrontend kann man das nicht auf einen Blick sehen, oder ich habe diese Funktion noch nicht gefunden.

openHAB kann natürlich noch viel mehr, als das was ich hier in dem Artikel erwähnt habe (Ziel des Artikels sollte es auch nicht sein, openHAB bis ins Detail herunterzubrechen. Ich wollte nur mal einen kleinen Einblick gewähren)

Um mal einige Dinge zu nennen:

  • Automatisierungen über “Rules”
  • Persistieren von Daten (Temperaturen, Schaltzustände, …)
  • Steuerung übers Smartphone, z.B. die openHAB App aus dem Google Play Store.
  • Nachrichten verschicken
  • Sprachsteuerung

OpenHAB erledigt seinen Dienst sehr zuverlässig. Zu Anfang ist es allerdings recht zeitintensiv. Man muss sich schon etwas mit dem System auseinandersetzen. Es ist kein System, welches man installiert und dann läuft alles sofort. Bis letztlich alles soweit ist, wie man es haben möchte, vergehen schon mal ein paar Stunden Arbeit. Vielleicht stößt man auch irgendwo an Grenzen, bzw. weiß einfach nicht weiter und fängt an zu verzweifeln. Hatte ich auch alles gehabt :-). Wenn das System dann aber steht, dann wird man jedoch mit einem sehr robusten und zuverlässigen System belohnt. Und kommt man wirklich mal bei irgendetwas nicht weiter, dann gibt es noch die openHAB Community die einem hilfsbereit zur Seite steht. 

Viel Spaß beim Ausprobieren!

Was kommt demnächst

  • Heizungssteuerung mit Homematic und openHAB2