Seite auswählen

In letzter Zeit habe ich mich ein wenig mit alternativen RAW Konvertern beschäftigt, die unter Linux Verwendung finden. Da ich bislang zufriedener Lightroom Nutzer war, es mich aber immer wieder in die OpenSource Welt zieht, ist meine Entscheidung über kurz oder lang, komplett auf (nur)Windows Programme zu verzichten, nicht auch wegen der möglichen hohen Folgekosten, die kommerzielle Software mit sich bringt.

Lightroom habe ich damals zu meiner Kamera dazubekommen. Logisch, dass man damit dann erstmal herumexperimentiert. Kurze Zeit später verstand ich das Programm gut einzusetzen und erledigte meine kompletten Fotoworkflows und meine Bildverwaltung über Lightroom. Gut, nun ist nicht alles Gold was glänzt, Lightroom mag neben DxO Objects Pro schon der Platzhirsch unter den RAW Konvertern sein, es hat dennoch seine Ecken und Kanten. Performancetechnisch fand ich Lightroom zwischenzeitlich eher miserabel. Und ich möchte nicht sagen, dass ich einen schlechten Rechner mein Eigen nenne. Intel i7 64 Bit Prozessor mit ausbaufähigen 8 GB RAM ließen Lightroom dennoch ab und an ruckeln. Ich glaube ab Version 5 oder 6 versprach Adobe einen wesentlichen Performanceschub. Da ich jedoch trotz gewisser Performancemängel nicht von Lightroom weg wollte, habe ich mir letztes Jahr das Creative Cloud Abo von Adobe gegönnt. Inbegriffen in dem Fotografieabo waren bzw. sind eine immer aktuelle Lightroom- und Photoshop Version. Aber die Performance, die Adobe mit neueren Versionen versprach, konnte ich nur ein bißchen spüren, was aber meinem Fotoworkflow nicht weh getan hat. Ich nutze Lightroom nach wie vor sehr gerne und kann auch ansonsten nicht schlechtes über diese Software sagen, außer dass ich das neumodische Abo Modell, welches heutzutage ja nicht nur bei Adobe zum Einsatz kommt, nicht weiter unterstützen möchte.

Das ist auch für mich primär der Grund gewesen, mich nach Alternativen umzusehen, und da ich in der Vergangenheit begeisterter Linux User war, sollte es auch eine Alternative aus diesem Bereich sein. Da ist mir nun also die kommerzielle Software Aftershot Pro 2 von Corel und die unter der GPL 3.0 stehende Software Darktable ins Auge gefallen.

Da die Bildentwicklung sehr zeitintensiv ist  und in einem Projekt mitunter mehrere Stunden Arbeit stecken, war es mir sehr wichtig, dass zumindest die gröbsten Einstellungen, die ich in Lightroom an den Bildern vorgenommen habe, auch in einer neuen Programme übernommen werden. Aftershot Pro 2 übernimmt, sofern ich es richtig gelesen habe, aber nur die Verschlagwortung aus Lightroom, sofern diese aus Lightroom vorher in eine XMP Datei geschrieben werden. Darktable schreibt auf seiner Seite, das eine Migration druchaus möglich ist, aber vielleicht nicht alle Einstellungen 100%ig übernommen werden. Ok, das würde mir vielleicht aber schon reichen.

Weiterhin habe ich damals angefangen, meine RAW Bilder (.CR2) in ein Kameraunabhängiges DNG RAW Format beim Import in Lightroom zu konvertieren um evtl. auch mit Programmen arbeiten zu können, welche vielleicht das RAW Format meiner Kamera nicht unterstützen. Nun habe ich mir die Testversion von Aftershot Pro 2 auf meinem Arch Linux Rechner installiert, musste aber feststellen, dass das Adobe DNG Format von Corel nicht lesbar ist. Corel schreibt zwar, dass DNG Dateien, welche direkt aus der Kamera kommen unterstützt werden, darunter fällt aber wohl nicht das DNG Format von Adobe. Da ist wohl Format nicht gleich Format. Das hört sich für mich so an, als wäre DNG kein einheitlicher Standard. Ok, aus Fehlern lernt man, für mich heisst das in Zukunft folgendes, nämlich dass das RAW Format und somit der Dateityp meiner Kameradateien unangetastet bleibt!

Das gleiche habe ich in Darktable ausprobiert. Dort ließen sich die von Adobe erstellten DNG Dateien ohne Probleme öffnen. Auch alle enthaltenen Metadaten wurden einwandfrei angezeigt, Kameramodell, Objektiv, alles drin. Für mich ist das auf jedenfall das K.O. Kriterium für Corels Aftershot Pro 2. Für eine kommerzielle Software, für die, Stand 04.04.2016, 75,99 EUR zu zahlen sind, hätte ich da auf jedenfall mehr erwartet.

darktable_modulesIch habe nun schon ein wenig mit Darktable herumexperimentiert. Das Programm ist wirklich sehr mächtig. Den Fotoworkflow erledigt man hier über Module. Vermisst man eine Funktion in den Einstellungen, wird man jedoch bestimmt in den weiteren, ausgeblendeten Modulen fündig. Ich möchte an dieser Stelle nicht auf die Bedienung des Programmes an sich eingehen bzw. auf jedes einzelne Modul, das würde diesen Beitragsrahmen hier jetzt sprengen. Eher sei an dieser Stelle erstmal erwähnt, dass Darktable der kommerziellen Software Lightroom eigentlich in nichts nachsteht. Ok, man wird bei der ersten Verwendung von Darktable erstmal von dem Funktionsumfang dieser freien Software erschlagen. Aber es ist doch alles eine Sache der Eingewöhnung. Es gibt eine großen Anzahl von Modulen, die vielleicht nicht jeder benötigt, man kann sich jedoch die für sich wichtigsten Module als Favoriten speichern, um sie immer schnell im Zugriff zu haben. Man stolpert auch über viele Funktionen, bzw. Module, die es so in Lightroom vielleicht auch nicht gibt. Viele Sachen heißen vielleicht auch anders. Einige Dinge gibt es vielleicht in Lightroom mehr. Aber es sind ja auch zwei unterschiedliche Programme, mit denen unterschiedlich geabeitet wird. Ein Adidas Schuh hat auch einen anderen Schnürrsenkel als ein Puma Schuh, oder vielleicht eine Falz mehr oder weniger, aber trotzdem sind es beides Schuhe. 😉

Ich gebe der Software auf jedenfall eine Chance. Bislang macht sie optisch als auch funktional einen guten Eindruck auf mich. Bis ich meinen Workflow mit Darktable gefunden habe, vergeht vielleicht etwas Zeit, dafür ist es aber auch Zeit, in der man wieder viel lernen kann. Für große Projekte läuft ansonsten auch noch mein Creative Cloud Abo von Adobe, welches ich bei nächster Gelegenheit aber erstmal proforma kündigen werden.

Ich bin gespannt!

Mich würde aber auch interessieren, welche Erfahung ihr mit anderen RAW Konvertern gemacht habt. Sei es unter Windows oder unter Linux. Was nutzt ihr? Und warum? Ich würde mich über Kommentare jeglicher Art freuen.

In folgenden Beiträgen erzähle ich dann mal etwas über meinen Fotoworkflow, sobald ich ihn unter Darktable gefunden habe 🙂 und auch, ob eine Migration von Lightroom nach Darktable geklappt hat.